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Sehr gerne. Hier ist eine Inhaltsangabe des Romans „Reactionäre und Demokraten“ von H. E. R. Belani, basierend auf den vorliegenden Auszügen und mit besonderem Fokus auf die Revolution von 1848.
H. E. R. Belanis Roman „Reactionäre und Demokraten“ aus dem Jahr 1850, dessen eigentlicher Name Karl Ludwig Häberlin ist, ist ein geschichtlich-politischer Roman aus der neuesten Zeit. Er versteht sich als Fortsetzung des Romans „So war es!“. Während „So war es!“ in die vormärzlichen Zustände der Bürokratie, des Polizeistaates, der Aristokratie, des modernen Junkerthums und die Mysterien der Sittenzustände einführte und zeigte, wie diese allmählich zu einer Einwirkung auf das Volksleben führten, die die Erschütterungen der Revolutionen in Paris und Wien auch in Berlin hervorbrachten, knüpft „Reactionäre und Demokraten“ daran an.
Die Revolution in Berlin führte zur blutigen Katastrophe des 18. und 19. März, weckte Volksleidenschaften bis auf den tiefsten Grund auf und erhob den Ruf nach Ministerveränderung, Pressfreiheit, Versammlungsrecht, Volksbewaffnung und wahrer Volksvertretung.
Der Roman schildert die Zeit nach diesen Ereignissen als historisch-politischen Hintergrund. Im Mittelpunkt steht der „Wogenkampf“ dieser Zeit, gefördert durch die „Wühlereien und Intriguen beider Extreme politischer Parteieen: der Demokratie und Reaction“. Der Verfasser nimmt das Berliner Treiben als Vorwurf der Erzählung, weil sich darin die Phrasen, die jeder von der Revolution heimgesuchte Staat durchmachen muss, am klarsten abspiegeln. Politik durchdringt in dieser Zeit jedes geistige Leben so sehr, dass sie aus einem Roman, der auf der Bühne der Zeitgeschichte spielt, nicht ausgeschlossen bleiben konnte.
Das Werk ist in Bücher unterteilt, deren Titel einen Überblick über den Inhalt geben. Themen des ersten Buches sind unter anderem die Reactionäre im Schloß und in der Bürgerwehr, ein gemäßigter Demokrat, die Amnestie, die befreiten Polen, die Refugié’s in Potsdam, Mitteilungen aus Berlin, die Bittschriftcommission und der Umzug des Königs.
Das zweite Buch behandelt den Enthusiasten in den Vorgemächern des Königs, die Zurückberufung des Militärs nach Berlin, die Promenade in Sanssouci, die Beerdigung der gefallenen Barrikadenhelden, Szenen aus den Regionen der Armuth und den jungen Republikaner.
Spätere Bücher thematisieren unter anderem Katmusiken, Bürgerwehr, demokratische Musterreden, Tumulte, die Nationalversammlung, Mysterien in einem Haus, den Zeughaussturm und das Demoratenuwesen. Das zehnte Buch widmet sich den Folgen des Zeughaussturmes, verschiedenen Aufständen, dem demokratischen Congreß und den Beschlüssen der Nationalversammlung bis hin zur Auflösung der Bürgerwehr und dem passiven Widerstand.
Die Revolution brachte Zugeständnisse wie Ministerveränderung, Pressfreiheit und Versammlungsrecht. Am 20. März 1848 erließ König Friedrich Wilhelm eine Amnestie für alle, die wegen politischer oder durch die Presse verübter Vergehen angeklagt oder verurteilt worden waren. Dies führte zur Befreiung gefangener Polen, die als „Vorkämpfer der Freiheit“ und „Repräsentanten der erhabensten Bestrebungen der Menschheit“ bezeichnet wurden.
Die Demokratie hatte laut Verfasser den Sieg in Händen, wusste aber keinen weisen Gebrauch davon zu machen. Sie gab sich politischen Leidenschaften hin, frönte Egoismus, Herrschergelüsten und persönlichen Eitelkeiten. Statt Erreichbares mit Maß und Verstand anzustreben, verblendete sie die „politisch unmündige, urtheilslose Menge“ mit leeren Theorien und revolutionären Schlagwörtern, um sie in steter Aufregung und Anarchie zu erhalten. Ohne „achtbare Persönlichkeiten“ an der Spitze beging die Demokratie durch ihre „moralischen Faulflecken“ Selbstmord vor der öffentlichen Meinung und wurde zum Leichnam. Extremisten wie die „Ultrademokratie“ werden verurteilt, aber auch gemäßigtere Demokraten werden von Reactionären als schädlicher angesehen, da sie schwerer zu greifen seien.
Charaktere wie Dr. Ajax, Graf Banco, Fritz Ohnesorge, Waldeck und Dowiat repräsentieren die radikalen Strömungen. Dowiat beispielsweise rief am 21. August 1848 dazu auf, das „Bourgeoisie-Ministerium“ zu stürzen, da die Revolution von 1848 eine soziale Revolution des vierten Standes sei. Der demokratische Centralausschuss hatte sich die Einführung der demokratischen Republik zum Ziel gesetzt, also den Sturz des Thrones. Demokratische Literaten beschimpften die nach Ruhe sehnende Bourgeoisie als „Weißbierphilister“. Proskriptionslisten von Reactionären wurden im Café de Bavière aufgestellt.
Die Reaction arbeitete im Geheimen. Charaktere wie Herr von Kater von Kattenhausen repräsentieren die Reactionäre und ihre Strategien. Ein Ziel war die Förderung der Anarchie, um den Rückschlag einer künftigen Contre-Revolution vorzubereiten. Sie sahen die Revolution als das Ergebnis der Nachsicht gegenüber den Exzessen des Volks. Die Rückkehr des Militärs nach Berlin wurde von Reactionären als Möglichkeit zur Anknüpfung einer Contre-Revolution betrachtet. Der Polizeipräsident von Minutoli und General von Aschoff wurden von der Reaction als Hoffnungsträger angesehen. Minutoli soll die Bürgerwehr, die ursprünglich als Stütze der Demokratie galt, in ein Polizeiinstitut verwandelt haben, unter anderem indem er sie durch häufige Alarmierung ermüdete. Die Contre-Revolution sollte durch die Fehler der Gegner erreicht werden.
Die Bourgeoisie, müde der Unruhen, sollte für die Reaction gewonnen werden, da sie sich nach Ruhe und Frieden sehnt. Der Zeughaussturm am 14. Juni diente angeblich sowohl fremder Diplomatie zur Auskundschaftung als auch den Republikanern zur Herbeiführung einer neuen Revolution.
Die Nationalversammlung in der Singakademie wird von Reactionären kritisiert. Sie tage seit Monaten und „zwitschert wie die Singvögel, deren Gesang keinen Text hat“. Ihre Beschlüsse, wie die Erklärung der Märzkämpfer als wohlverdient, galten als Sanktionierung der Anarchie und ein Schritt zur „rothen Republik“. Die Versammlung sei durch die „leidenschaftlichste und unverständigste Straßendemokratie“ terrorisiert und nicht mehr frei. Das Ministerium Brandenburg verlagerte den Sitz der Nationalversammlung nach Brandenburg und erklärte Berlin in Belagerungszustand, unterstützt durch das Militär. Die Bürgerwehr wurde aufgelöst. Ein Esel zog das von der Nationalversammlung angenommene Bürgerwehrgesetz zu einem Scheiterhaufen, wo es verbrannt wurde.
Liebesgeschichten und persönliche Schicksale von Charakteren wie Graf Roger und Jenny oder Graf Arnold und die Marquise von Bellefleur sind in das politische Geschehen eingebettet. Clara, ein Mädchen von niedriger Geburt, erlebt die herablassende Behandlung der Aristokratie, selbst inmitten der revolutionären Zeit. Ihre Verbindung mit Roger scheint zunächst durch Standesunterschiede und Rogers militärisches Verhältnis erschwert. Hoffnungen, dass die Abschaffung adliger Titel durch die Nationalversammlung ein Hindernis beseitigen könnte, erweisen sich als kurzsichtig, da die Contre-Revolution die alten Vorrechte noch anmaßender wieder aufleben lassen wird.
Die Revolution wird als eine Zeit beschrieben, die „jeden wahren Vaterlandsfreund mit Schmerz und Thränen erfüllt“. Der Wohlstand gehe zugrunde, Familienleben werde zerrüttet, Kinder lernten Tumulte und Verhöhnung von Autoritäten. Der Verfasser kommt zu dem Schluss, dass das Glück der Völker weder in den Extremen idealer Theorien der Demokratie noch im Egoismus reaktionärer Versuche gedeiht. Nur Aufklärung, reife Erfahrung, besonnene Staatsweisheit, Menschenliebe und ein fester Sinn für Gesetz und Ordnung führen zum Heil der Völker.
Der Autor wünscht sich ein konstitutionelles Königtum ohne Hintertüren für die Reaction.
Zusammenfassend schildert der Roman die Zeit nach den Märzereignissen 1848 als einen Kampf zwischen einer über das Ziel hinausschießenden, anarchischen Demokratie und einer im Geheimen agierenden Reaction, die beide Extreme repräsentieren. Der Verfasser kritisiert die Unfähigkeit der Demokraten, ihre Ziele weise zu verfolgen, was zur ihrer Niederlage führte. Gleichzeitig deckt er die Intrigen der Reaction auf, die die Unruhen für ihre Zwecke nutzte. Das Werk ist durchzogen von detaillierten Beschreibungen der politischen Ereignisse und der Stimmungen in Berlin, eingebettet in persönliche Schicksale und gesellschaftliche Beobachtungen.
Karl Ludwig Häberlin[H. E. R. Belani], Reactionäre und Demokraten. Geschichtlich-politischer Roman aus der neuesten Zeit. 2 Bde. Leipzig: C. L. Fritzsche, 1850.