Saar: Ninon


KI, Inhalt:

Die Novelle „Ninon“ gehört zu den Werken von Ferdinand von Saar und ist in seiner Sammlung „Novellen aus Österreich“ enthalten. Sie schildert das Leben der titelgebenden Figur, einer Frau namens Nina, die später als „Ninon Ninoni“ bekannt wird und eine bemerkenswerte und oft tragische Lebensgeschichte hat.

Die Revolution spielt in der Novelle eine bedeutende, prägende Rolle im Hintergrund der Figur der Nina:

  • Nina, auch als „Kra­wall-Ni­nerl“ bekannt, war als halbwüchsiges Mädchen in die Revolutionsereignisse des Jahres 1848 verwickelt.
  • Unter Alkoholeinfluss neigt sie dazu, von diesen Zeiten zu sprechen. Sie erzählte, wie sie mit Studenten und „Arbeitern“ ausgezogen war und sich an Straßen­tumulten beteiligte, wobei sie sich zum ersten Mal auf einer Barrikade preisgegeben habe.
  • In solchen Momenten beschimpfte sie Offiziere als „feile Knechte der Tyrannei“ und tobte so sehr, dass sie Gläser und Teller nach ihnen warf. Dies zeigt, wie die revolutionären Erfahrungen ihre Persönlichkeit und ihre Weltanschauung tiefgreifend beeinflusst haben. Die Novelle nutzt diese retrospektiven Schilderungen, um Ninas wilden, ungebundenen und rebellischen Charakter zu erklären.
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Ninas (Ninons) weitere Lebensgeschichte und Charakterisierung:

  • Nina wird als eine Frau mit einer bemerkenswerten Erscheinung beschrieben: blass mit rotblondem Haar, einem etwas schief stehenden Näschen, energischem Kinn und Veilchenaugen, die in Momenten der Verärgerung stahlgrau und stahlhart werden konnten.
  • Trotz mangelnder Bildung war sie geistreich, urteilsfähig und besaß einen schlagfertigen, sarkastischen Witz.
  • Ihr Lebenswandel war unkonventionell; sie hatte keinen festen Wohnsitz und diente als Modell für Maler und Bildhauer. Sie neigte zum Alkoholmissbrauch, was sie in eine „finstere, zornige Stimmung“ versetzte.
  • Sie hatte eine unglückliche Neigung zu einem Schauspieler namens Peppi, der sie jedoch verschmähte. Später war sie die Geliebte eines Kollegen des Erzählers, der sie heiraten wollte, aber sie quälte ihn und verbrachte Nächte in Kasernen.
  • Trotz ihrer Vergangenheit versucht Nina sich als Schauspielerin zu etablieren. Sie debütiert als „Fräulein Ninon Ninoni“ in der Rolle der Maria Stuart am Pasqualatti-Theater. Der Erzähler ist überrascht von ihrer Schönheit und ihrer Fähigkeit, die Rolle zu spielen, obwohl ihr in affektvollen Szenen die „natürliche“ Leidenschaft fehlte, die sie im betrunkenen Zustand zeigte, wenn sie von der Revolution sprach.
  • Nach ersten Erfolgen erhält sie Engagements an Provinztheatern und schließlich an einer kleinen deutschen Hofbühne, bevor sie für den Erzähler zunächst „verschollen“ bleibt.
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Spätere Entwicklungen und Beziehungen:

  • Viele Jahre später trifft der Erzähler Nina wieder. Sie ist nun die Frau des Herausgebers einer „Internationalen Revue“, eines Herrn Z. (auch Glensky genannt), und ist trotz des Alters immer noch eine auffällige Erscheinung.
  • Nina wird als die eigentliche Stütze des zunehmend kranken und desillusionierten Z. dargestellt, der körperlich und geistig abbaut. Sie ist maßgeblich an der Leitung der Revue beteiligt und besitzt ein herausragendes Sprachtalent.
  • Ihre Ehe mit Z. war eine Art Zweckgemeinschaft; sie gesteht dem Erzähler, dass sie ihn nicht liebt und die Ehe ein „dummer Streich“ war, um dem trostlosen Schauspielerdasein zu entkommen und seine vermeintliche Berühmtheit zu nutzen. Sie empfindet Ekel vor ihm.
  • Die finanzielle Situation von Z. und der Revue verschlechtert sich. Nina verlässt schließlich Z., der daraufhin einen Selbstmordversuch unternimmt und stirbt.
  • Nina verschwindet mit Glensky (dem früheren Z.) nach Paris, wo sie als „Lionne“ in einem großen Zeitungsunternehmen tätig ist und Duelle zwischen ihren Verehrern auslöst. Dies unterstreicht ihre Fähigkeit, sich den Umständen anzupassen und stets eine dominante Rolle zu spielen.
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Zusammenfassend ist „Ninon“ die Geschichte einer komplexen Frau, deren frühe Erfahrungen in den Revolutionen von 1848 sie prägen und ihr eine rohe, ungebändigte Energie verleihen. Diese Energie kommt später in ihrer Bühnenkarriere und ihren Beziehungen zum Ausdruck, wobei sie sich stets als Überlebenskünstlerin erweist, die ihre Umgebung manipuliert, um ihre eigenen Ziele zu erreichen, selbst wenn dies zum Untergang anderer führt.


Die Revolution spielt auch in anderen Novellen von Ferdinand von Saar, die in den Quellen erwähnt werden, eine bedeutende Rolle:

  • In der Novelle „Innocens“ wird das Jahr 1848 mit seinen „Revolutionsstürmen“ als entscheidendes historisches Ereignis genannt. Ein Soldat zeichnet sich auf dem italienischen Schlachtfeld aus, erleidet jedoch schwere Verwundungen, die ihn untauglich für den aktiven Dienst machen und ihn dazu zwingen, eine Stelle als Zeugwart auf dem Wyšehrad anzunehmen. Auch die Verlegung des Regiments des Erzählers nach Italien ist eine Folge des Krieges mit Piemont, der in dieser Zeit des Umbruchs entsteht.
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  • In der Novelle „Der ‚Exzellenzherr’“ (und im weiteren Kontext „Das Haus Reichegg“) sind die Auswirkungen der Revolution von 1848 zentral für das Schicksal des Freiherrn von Günthersheim. Er verliert sein hohes Staatsamt aufgrund seiner liberalen Ansichten, die er schon vor der Märzrevolution vertreten hatte, und zieht sich daraufhin auf sein Landgut zurück. Der „Kampf an der Taborbrücke“ wird als das „Verhängnis der Revolution“ bezeichnet. Auch die „französische Revolution“ wird als Bedrohung der „Weltordnung“ und Vorläufer neuer „Umsturzbestrebungen“ erwähnt. Die unterschiedlichen Reaktionen auf die Revolution, wie die Feierlichkeiten und die militärische Niederschlagung, werden durch die Figur seiner Frau Klothilde beleuchtet, die die „Märzbewegung“ kritisch sieht und die einziehenden Truppen als Retter begrüßt. — (Verwechselt die KI das mit »Schloß Kostenitz«?)
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  • In der Novelle „Die Familie Worel“ zeigt sich die Revolution in ihren sozialen und ideologischen Konsequenzen. Olga Worel, die Tochter der Familie, wird als „Anarchistin“ beschrieben, die sogar Steine auf Soldaten geworfen haben soll. Ihr neuer Ehemann ist ein „Sozialist“, und die Novelle thematisiert die Forderungen der Arbeiter und die Konflikte, die aus den sozialen Umbrüchen der Zeit resultieren, einschließlich der Erschießung von Frauen bei Protesten. Der Graf reflektiert über das „Absterben“ der alten Gesellschaftsordnung und das Aufkommen der sozialdemokratischen Idee als „Schibboleth der nächsten Epoche“.

Ferdinand von Saar: Ninon. In: Sämtliche Werke in zwölf Bänden. Leipzig: Hesse & Becker [1908]. Band 10: Novellen aus Österreich, 4. Teil. S. 63–102.