Varnhagens Gesinnung | 6. Dezember 1840

Varnhagens Gesinnung

»Eine Dame sagte mir heute, sie könne nicht klug daraus werden, wie ich eigentlich gesinnt sei, heidnisch oder christlich, monarchisch oder republikanisch, meine Aeußerungen seien aus allen Tonarten, und ließen bald das eine voraussetzen, bald das andre. Ich erwiederte auf diesen Angriff, sie müsse doch recht gut wissen, was ich sei, denn indem sie mir das sage, setze sie voraus, daß ich ein Mann sei, dem man dergleichen sagen könne, und das sei ein ganzes Glaubensbekenntniß werth!

Wie sollt’ ich mich sonst vertheidigen? Soll ich mich darauf berufen, daß man in allen Erscheinungen das Ideelle lieben, und das Reelle verabscheuen kann?« (TB, 6.12.1840)

Zur Einschätzung Varnhagens in höheren Kreisen vgl. ausführlicher den Tagebucheintrag vom 9.11.1846.