Belagerungszustand | 12. November 1848

Belagerungszustand

»Was soll daraus werden? fragt jederman. Niemand weiß eine Antwort. Ich aber weiß, daß gewiß etwas dazwischen kommt, was die Gestalt der Dinge ändert. Die Regierung erscheint dem Volk als Feind. Der Haß gegen den König steigt ungeheuer. —

Als ich nach Hause ging, waren die Plakate, wodurch für Berlin und zwei Meilen umher der Belagerungsstand ausgesprochen wird, schon angeschlagen; es war schon dunkel, aber beim Schein der Laterne wurde der Zettel gelesen, von dichten Gruppen. Die Folgen des Belagerungsstandes wurden in vielen Punkten einzeln aufgezählt, alles von Wrangel unterschrieben. Hohngelächter, Schimpfworte, Unmuthausbrüche hörte ich; von einem jungen Menschen vor der Bank, den etwa fünfzig andre eifrig anhörten, die bestimmtesten Aufforderungen, Wrangel und Brandenburg zu tödten, nicht die Soldaten, aber die Generale und Offiziere, die müsse man auf’s Korn nehmen, den schuftigen Ministern nur kurzweg den Hals umdrehen.« (TB, 12.11.1848)