Der extreme Reaktionär: »Bürger Pfeil«
Varnhagen von Ense liefert in seinen Tagebüchern ein sehr detailliertes und meist vernichtendes Bild des Grafen Ludwig von Pfeil, das ihn als einen der extremsten und zugleich widersprüchlichsten Vertreter der Reaktion darstellt.
Politischer Frontenwechsel (»Bürger Pfeil«): Ein besonders brisantes Detail ist Pfeils Verhalten während der Revolution von 1848. Varnhagen berichtet, dass Pfeil damals einer der Vorsteher des demokratischen Klubs war und sogar darauf bestand, nur noch »Bürger Pfeil« genannt zu werden. Später kehrte er jedoch zur äußersten Rechten zurück, wurde aber selbst der Gerlach-Fraktion zu unbequem: »Die Fraktion Gerlach hat den unbequem gewordenen Gesellen jetzt ausgestoßen. Er bleibt in unsern Augen aber ihr richtiger Genosse; sie muß ihn behalten, er ist ihr klarster Ausdruck, nur etwas dumm!« (TB, 27.2.1856)
Prahlerei mit Gewalt: Im Abgeordnetenhaus sorgte Pfeil für Empörung, als er sich mit »unerhörter Frechheit« damit rühmte, auf seinem Gut Eingesessene eigenmächtig misshandelt und eingesperrt zu haben. Er vertrat die Ansicht, dass der Adel zwar obrigkeitliche Polizeirechte ausüben dürfe, aber im Falle von Amtsmissbrauch nicht den Strafgesetzen unterworfen sein sollte. Selbst der Minister des Innern und Pfeils eigene Partei distanzierten sich schließlich von dieser »rohen Dummheit«. (TB, 16.2.1856)
Scheitern als Theater-Intendant: Varnhagen notiert, dass Pfeil als Nachfolger für den Posten des Ober-Intendanten der königlichen Schauspiele im Gespräch war. Er prophezeite Pfeil jedoch bereits im Vorfeld die gleiche »Offenbarung der Unfähigkeit«, die er auch anderen Hofbeamten zuschrieb. (TB, 8.3.1853)
Zurechtweisung durch die Regierung: Trotz seiner reaktionären Gesinnung geriet Pfeil in Konflikt mit der Regierung, als er das polizeiliche Vorgehen in Posen gegen die Presse kritisierte. Dies führte dazu, dass er vom Minister von Raumer »zornig zurechtgewiesen« wurde. (TB, 3.5.1856)
Zu Pfeils Haltung vgl. auch die Einträge vom 23. und 24.2.1856. [WH]