Der sittenlose Adel Varnhagen von Ense äußert sich in seinen Tagebüchern regelmäßig und in einer Weise über die Sittenlosigkeit des Adels, die deutlich macht, dass er dies nicht als bloße Einzelfälle, sondern als ein Symptom eines moralischen Verfalls der oberen Stände betrachtet. Er hält zahlreiche Vorfälle und Skandale fest, die von Korruptionsvorwürfen in den höchsten Staatsämtern bis hin zu sittlichen …
Schlagwort: Adel
Drei Damen des Hofes | 31. Mai 1852
Drei Damen des Hofes »Vor etwa fünf Jahren geschah in St. Petersburg folgendes Aergerniß. Drei Damen des Hofes machten mit einem vornehmen Offizier auf einer Maskerade allerlei Thorheiten, bald aber war ihnen der Schauplatz nicht frei genug, und sie fuhren in eine Restauration, wo sie sich besondre Zimmer geben ließen, ausgesuchte Speisen, Champagner im Ueberfluß; …
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Aristokratie und Ständewesen | 11. Mai 1847
Aristokratie und Ständewesen »Diese bevorrechtete Aristokratie, diese Befestigung auch des untern Adelswesens, diese gewaltsame Einsperrung in Stände, wie soll das aufhören, ohne daß die gewaltsamsten Vorgänge stattfinden, Vorgänge, die, abgesehen von allem Erfolge, schon an sich die furchtbarste Heimsuchung sind? Unsre Staatsbildung ist auf lange, lange Jahre heillos verpfuscht!« (TB, 11.5.1847)
Der extreme Reaktionär: »Bürger Pfeil« | WH
Der extreme Reaktionär: »Bürger Pfeil« Varnhagen von Ense liefert in seinen Tagebüchern ein sehr detailliertes und meist vernichtendes Bild des Grafen Ludwig von Pfeil, das ihn als einen der extremsten und zugleich widersprüchlichsten Vertreter der Reaktion darstellt. Politischer Frontenwechsel (»Bürger Pfeil«): Ein besonders brisantes Detail ist Pfeils Verhalten während der Revolution von 1848. Varnhagen berichtet, dass Pfeil …
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Der reaktionäre Adel | WH
Der reaktionäre Adel Varnhagen von Ense widmet in seinen Tagebüchern der Schilderung und scharfen Kritik des reaktionären Adels, den er meist als »Junkerparthei« oder »Kreuzzeitungsparthei« bezeichnet, breiten Raum. Er beschreibt diese Kreise als eine eigennützige Elite, die den Staat und sogar das Königthum ihren eigenen Standesinteressen unterordnen will. Dazu gehören u.a. die Gebrüder von Gerlach: …
Graf Valerian von Pfeil | 24. Oktober 1849
Graf Pfeil fordert öffentliche Auspeitschung »Rasende Aeußerungen eines Grafen von Pfeil in Schlesien, der die Frau, welche für Kinkel’s Leben zu bitten gewagt, öffentlich ausgepeitscht sehen will [vermutlich ist Gisela von Arnim gemeint, eine Tochter Bettina von Arnims; TB, 16.7.1849], für Preßvergehen Todesstrafe zulässig erachtet &c. Er heißt Valerian; ist es der, den ich früher …
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Liederliche Damen | 19. Juni 1852
Zwei adlige Frauen verhaftet »Unsre Zeitungen melden, auch die ministeriellen, daß zwei adlige Damen von guten alten Familien wegen Trunkenheit und Obdachlosigkeit in Haft genommen seien; sie waren durch Liederlichkeit so herab gesunken, daß sie wie gemeine Dirnen lebten. Der gerühmte Adel! Die Stütze des Thrones, die Ehre des Staates, des Heeres! — Die Polizeibehörde will …
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Varnhagen über Sexualität | WH
Varnhagens Verhältnis zur Sexualität Varnhagen von Ense äußert sich in seinen Tagebüchern durchaus über sexuelle Aktivitäten und den moralischen Zustand seiner Zeit, wobei er diese Themen meist im Kontext von Hofskandalen, gesellschaftlicher Heuchelei oder der Spannung zwischen Natur und Moral behandelt. Er betrachtet das »Sinnliche« oft als eine ursprüngliche Kraft, die durch die bestehenden Gesetze …
Uneheliche Kinder | 8. Mai 1856
Heillose Adelswirthschaft »In Mecklenburg, wo das vierte Kind ein unehliches ist, ganze Dorfschaften keine andre haben, ist ein Strafgesetz gegen Unzucht und wilde Ehen verkündigt worden. Daß der Zustand aus politischen Uebeln herkommt, aus heilloser Adelswirthschaft, will man nicht einsehen, die Ursache soll dauern, ohne ihre Folgen! — « (TB, 8.5.1856)
Ehen zwischen Adel und Bauersleuten | 8. Juli 1856
Nicht standesgemäße Ehen »Die Volkszeitung hat den Schluß eines durch fünf Nummern gehenden Artikels ›Stehengebliebene Verkehrtheiten‹, worin sie mit unendlicher Schärfe in der Sache und trockener Milde im Ausdruck die Entscheidung des Obertribunals, daß die Ehe zwischen Adlichen und Bauersleuten noch immer verboten sei, unwiderleglich als den baarsten Unsinn, als die unhaltbarste Sophisterei und Dummheit …
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Ein erschlagener Prinz | 8. Mai 1849
Ein erschlagener Prinz »In Dresden ist bei Erstürmung des Hotel de Saxe ein Prinz von Schwarzburg-Rudolstadt, der sich dort eines Augenübels wegen aufhielt, in seinem Zimmer von den Soldaten erschlagen worden. Ein Prinz! Das macht Aufsehn, das erregt Mitleid, da schreien die Vornehmen ganz empört über Rohheit und Wildheit der Soldateska; Hökerinnen, Kinder, Handwerker, Dienstmädchen, …
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