Drei Damen des Hofes | 31. Mai 1852

Drei Damen des Hofes

»Vor etwa fünf Jahren geschah in St. Petersburg folgendes Aergerniß. Drei Damen des Hofes machten mit einem vornehmen Offizier auf einer Maskerade allerlei Thorheiten, bald aber war ihnen der Schauplatz nicht frei genug, und sie fuhren in eine Restauration, wo sie sich besondre Zimmer geben ließen, ausgesuchte Speisen, Champagner im Ueberfluß; dann entkleideten sich alle, und der Offizier sollte wie Paris die Schönste bezeichnen, er stellte mit jeder seine Proben an, und erklärte dann alle für gleich schön. Darüber Zank und Balgerei, dann wieder Fröhlichkeit und Gelächter, Singen und Toben.

Mit Goldstücken warfen sie dann die Fensterscheiben ein, vor dem Hause sammelten sich Leute. Der Wirth drang endlich in’s Zimmer, und warnte, der Kaiser werde durch die Straße fahren, den Auflauf und Lärm wahrnehmen. Hohngelächter zur Antwort; ›Was machen wir uns aus dem Kaiser?‹ Der besorgte Wirth eilte zum Polizeimeister, der augenblicklich kam, aber kaum die Nase in’s Zimmer gesteckt und die Personen erkannt hatte, als er erklärte, die seien ihm zu hoch, und sich entfernte. Trunkenheit und Ermüdung ließen endlich Stille eintreten.« (TB, 31.5.1852)