Wie der Berliner sagt »Auch der Polizeipräsident von Zedlitz benimmt sich quatsch — wie der Berliner sagt, ohne Sinn und Verstand. — « (TB, 20.4.1858)
Kategorie: Gesellschaft, Geschlecht und Lebensformen
Hier werden soziale Praktiken, Geschlechterverhältnisse und Formen des Zusammenlebens in den Blick genommen. Die Beiträge untersuchen Beobachtungen zu Familie, Sexualität, sozialen Rollen und individuellen Lebensentwürfen und machen sichtbar, wie die Tagebücher gesellschaftliche Spannungen und Grenzbereiche des 19. Jahrhunderts reflektieren.
Frauen | WH
Frauen In den Tagebüchern Varnhagens finden sich zahlreiche Porträts von Frauen, die er aufgrund ihres scharfen Verstandes, ihrer politischen Unabhängigkeit und ihres Mutes bewunderte. Er suchte oft die Gesellschaft von Frauen, die sich über die engen bürgerlichen und höfischen Konventionen ihrer Zeit erhoben und aktiv am geistigen und politischen Leben teilnahmen. Ludmilla AssingSeine Nichte und …
Drei Damen des Hofes | 31. Mai 1852
Drei Damen des Hofes »Vor etwa fünf Jahren geschah in St. Petersburg folgendes Aergerniß. Drei Damen des Hofes machten mit einem vornehmen Offizier auf einer Maskerade allerlei Thorheiten, bald aber war ihnen der Schauplatz nicht frei genug, und sie fuhren in eine Restauration, wo sie sich besondre Zimmer geben ließen, ausgesuchte Speisen, Champagner im Ueberfluß; …
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Das Alter | 6. Dezember 1855
Das Alter »Nicht nur daß wir graue Haare bekommen, und Runzeln und dergleichen, macht uns alt, sondern auch, daß wir die Andern so werden sehen, am meisten aber, daß andre Sitten, andre Ansichten, andre Sprache und andre Worte herrschen; am eingreifendsten und niederschlagendsten ist das Veralten im geistigen Gebiet, ein Lied und eine Melodie, bei …
Ludmilla Assing | WH
Ludmilla Assing Varnhagen von Ense schildert die Beziehung zu seiner Nichte und späteren Herausgeberin seiner Werke Ludmilla Assing als eine tiefe intellektuelle und emotionale Lebensgemeinschaft, in der sie ihm als wichtigste tägliche Gefährtin, Gesprächspartnerin und unentbehrliche Stütze zur Seite stand. Ihr eng verzahntes Privatleben äußerte sich in gemeinsamen Abenden beim Schachspiel (12.2.1853), dem Vorlesen von Briefen oder tiefgehenden Diskussionen über …
Rahels Geburtstag | 19. Mai 1858
Rahels Geburtstag »Mein Feiertag heute! Vor siebenundachtzig Jahren heute, da Rahel zur Welt kam, war erster Pfingstfeiertag, auf diesen Tag und heute vertheilt sich also ihre Geburtstagsfeier.« (TB, 19.5.1858)
Unsere fanatischen Weiber | 1. Juni 1854
»Wahre Megären« »Nichts geht über unsre fanatischen Weiber hier! Wahre Megären sind die Offiziersfrauen, Hofdamen und die knechtischen Bürger- und Beamtenweiber, die jenen nachschwatzen! Sie legen jetzt so grimmig gegen die Türken, Engländer und Franzosen los, wie früher gegen die Demokraten und 1848 gegen den König. Sie erheben die Russen und ihren Kaiser in den …
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Bettina von Arnim | 3. Februar 1849
Bettina von Arnim »Bettina versichert mich mit wahrer Rührung, ich sei jetzt ihr einziger Freund, sie habe niemanden, mit dem sie frei sprechen könne außer mir.« (TB, 3.2.1849)
Fürst Pückler-Muskau | 15. Juli 1858
Beim Fürsten Pückler-Muskau in Branitz »Der Zwerg Billy mit bei Tisch, eine Art Factotum, Vertrauter, Aufseher, Besorger, aufmerksam, verständig, in seiner Art gebildet. Nach dem Essen mit dem Fürsten in seinen Zimmern bis halb 2 Uhr, in stets lebhafter Unterhaltung. — Papagaien an der Treppe, ein grüner im Käfig, der vortrefflich gesprochen haben soll, aber seit ein …
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Liederliche Damen | 19. Juni 1852
Zwei adlige Frauen verhaftet »Unsre Zeitungen melden, auch die ministeriellen, daß zwei adlige Damen von guten alten Familien wegen Trunkenheit und Obdachlosigkeit in Haft genommen seien; sie waren durch Liederlichkeit so herab gesunken, daß sie wie gemeine Dirnen lebten. Der gerühmte Adel! Die Stütze des Thrones, die Ehre des Staates, des Heeres! — Die Polizeibehörde will …
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Schleiermacher | 28. August 1858
Schleiermachers Harem »Schleiermacher hat eigentlich eine Art Harem gehabt, eine wahre Vielweiberei; die zärtliche vertraute Freundschaft war immer der Liebschaft nah, die stets Sinnliches begehrte, wenn auch nicht ausübte. Ein halb Dutzend Weiber hat er immer, mit denen er vertraulich ist; die Eleonore Grunow, die Hofräthin Herz, die Charlotte von Kathen, die Frau von Willich, …
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Varnhagen über Sexualität | WH
Varnhagens Verhältnis zur Sexualität Varnhagen von Ense äußert sich in seinen Tagebüchern durchaus über sexuelle Aktivitäten und den moralischen Zustand seiner Zeit, wobei er diese Themen meist im Kontext von Hofskandalen, gesellschaftlicher Heuchelei oder der Spannung zwischen Natur und Moral behandelt. Er betrachtet das »Sinnliche« oft als eine ursprüngliche Kraft, die durch die bestehenden Gesetze …