Varnhagens Kontakte zur Revolution | WH

Varnhagens Kontakte zur Revolution

Varnhagen sah sich selbst als Teil der demokratischen Bewegung, auch wenn er aufgrund seines Alters und seiner Gesundheit nicht mehr selbst zur Waffe greifen konnte. Zudem unterstützte er Revolutionäre durch Beratung und half Bettina von Arnim bei der Abfassung von Gnadengesuchen, etwa für den verurteilten Gottfried Kinkel. 

Er hatte enge persönliche Kontakte zu führenden Köpfen der Revolution sowie zu einfachen Kämpfern, die direkt an den Barrikaden standen. Er suchte diese Begegnungen bewusst, um die Ereignisse nicht nur aus der Ferne, sondern durch die Augen der Akteure zu verstehen.

Michail Bakunin
Der russische Revolutionär, der als einer der Hauptführer des Dresdener Aufstandes galt (12.5.1849), besuchte Varnhagen mehrfach in Berlin.  In diesen Gesprächen berichtete Bakunin von seinen Umtrieben in Paris, Prag und Breslau sowie von seinen weitreichenden Verbindungen nach Russland und Polen. (24.7.1848) Varnhagen bewunderte nicht nur Bakunins »eisernen Muth« (30.3.1851), sondern für ihn war er »einer der edelsten, der hochherzigsten, der tapfersten Menschen!« überhaupt. (19.10.1851)

Benedikt Waldeck und Georg Jung
Varnhagen stand in engem Austausch mit diesen führenden Köpfen der Linken in der Preußischen Nationalversammlung. Er besuchte Jung in dessen Wohnung am Gendarmenmarkt (12.5.1848) und empfing Waldeck zu ausführlichen politischen Beratungen über die Strategie gegen die einsetzende Reaktion: »Um 1 Uhr Besuch vom Geh. Rath Waldeck, von Weiher begleitet. Waldeck erschien mir im günstigsten Lichte, kraftvoll im Denken und Gesinnung, ein ehrenfestes, starkdurcharbeitetes, festes und bewegliches Gesicht. Er sprach mit Klarheit und Festigkeit, immer aus der Sache; nichts Persönliches mischte sich ein, nichts Schmeichelhaftes oder sonst Absichtliches. Er blieb über eine Stunde, und wir besprachen die wichtigsten Anliegen. Mich dünkt, die Linke hat einen guten Führer an ihm.« (28.10.1848)

Ferdinand Lassalle
Der spätere Begründer der deutschen Sozialdemokratie besuchte Varnhagen ab Mai 1847 des öfteren. Er diskutierte mit ihm über die revolutionäre Stimmung in Wien, über seine Prozesse am Rhein, später fragte er ihn um Rat wegen seiner bevorstehenden Ausweisung (9.6.1858).

Arnold Ruge
Der demokratische Politiker und Schriftsteller suchte Varnhagen im Dezember 1848 auf und unterhielt sich über eine Stunde lang vertraulich mit ihm über die politische Lage. (20.12.1848) Im Januar 1849 musste er Berlin verlassen.

Der Schlossermeister
Varnhagen berichtet von einem Handwerker, der in seinem Haus arbeitete und ihm »ganz behaglich« schilderte, wie er am 18. März 1848 unter der Führung von Eichler die Barrikaden am Dönhofsplatz verteidigt hatte. (Zum 18. März 1848)

Dr. Ludwig Eichler
galt als »der tapfre Barrikadenkämpfer vom Dönhofsplatz; ich hatte ihn noch vor wenig Tagen gesehen, mit seinem rothen Bart, mit seinem weißen Hut, er ging ganz furchtlos in den Straßen; nun aber soll er sich verkleidet haben retten müssen, denn man wollte ihn auch verhaften.« (23.12.1848). Varnhagen verfolgte sein Schicksal aufmerksam und dokumentierte seine spätere Verhaftung.

Ein Student
der als »Hauptmann« die Barrikaden in Varnhagens Nachbarschaft befehligte und Steine von den Dächern auf die Soldaten schleuderte, stand während der Kampfnacht in Kontakt mit Varnhagen und dessen Umfeld. Er »war die Nacht einmal zu Bettina gegangen und hatte ihr bekannt, das Herz habe ihm geblutet, die unschuldigen Leute zu beschädigen, aber die Sache des Vaterlandes und der Freiheit habe es verlangt.« (19.3.1848) [WH]